Eine Zugfahrt, die ist lustig…

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Da das Backpacking das selbstständige Organisieren von Verbindungen, Unterkünften und Ausflügen beinhaltet, kommt früher oder später ein Punkt, an dem du feststellst, dass nicht immer alles so klappt, wie du es dir vorgestellt hast. Oder du bist an einem Ort auf deiner Reise, an dem du feststellst, dass du solche Menschen niemals in einem 5-Sterne-Hotel auf einer Pauschalreise kennen gelernt hättest. Oder du befindest dich in einem Zug mit fast 20 taubstummen Chinesen und „unterhältst“ dich mit Bildern, Händen, Füßen und einer Translation App – zumindest ist mir genau das passiert!

Wie kam es dazu?

Die ganze Geschichte startete in Bangkok. Ich verbrachte zuvor einige Tage in der Hauptstadt Thailands mit einem guten Freund aus London, der sich in der Stadt bereits auskannte. Für mich war es das erste Mal in Thailand und ich war froh, dass ich in diesem Großstadtdschungel nicht ganz auf mich allein gestellt war. Mein Plan war es, von Bangkok aus den Norden Thailands zu erkunden. Mein englischer Freund empfahl mir, einen Nachtzug von Bangkok nach Chiang Mai zu nehmen, da er damit bereits gute Erfahrungen gemacht hat.

Fotoshooting im Zug

Also fand ich mich einige Tage später abends am Hauptbahnhof Bangkoks wieder und wartete auf meinen Nachtzug, der mich nach Chiang Mai bringen sollte. Ich habe mir sogar den Luxus gegönnt und mich in einen Wagon mit Klimaanlage eingebucht. Der Zug war pünktlich, meinen Sitzplatz habe ich auf Anhieb gefunden und um mich herum füllte sich der Wagon langsam mit weiteren deutschen, niederländischen und belgischen Backpackern. Zuletzt gesellte sich dann eine Gruppe von taubstummen, jungen Chinesen auf dem Viererplatz nebenan sowie mir gegenüber. Sofort zückten alle ihre Smartphones und XXXL iPads, um den Zug aus allen Winkeln zu fotografieren. Ich beobachtete das Treiben amüsiert und musste wieder einmal feststellen, dass einige Klischees nicht von ungefähr kommen. Es wurden diverse Gruppenbilder geschossen und ein großes Schild mit der Aufschrift „You should be here!“ gezückt und bei jedem Gruppenselfie mit einem klassischen Peace- oder Thumbs-up-Zeichen in die Kamera gehalten.

Chiang Mai North Thailand Norden

Immer wieder stelle ich fest, dass mich die Kommunikation zwischen taubstummen Menschen fasziniert. Und obwohl kaum einer Laute von sich gegeben hat, hatte die Gruppe die Aufmerksamkeit des gesamten Wagons für sich. Da ich quasi mitten im Geschehen saß, wurde ich plötzlich in die Fotosession eingebunden, vor mir prangte das „You should be here!“-Schild und ich streckte etwas überrumpelt von der Situation ebenfalls meinen Daumen enthusiastisch in die Höhe. Als ich dachte, dass ich mich nach fünf Fotos wieder gemütlich auf meinen Sitz zurück schleichen und mich dem Shooting entziehen kann, fing der Spaß erst richtig an. Das Gewusel verstärkte sich dann nämlich, als die 6er-Gruppe zu einer 18er-Gruppe von taubstummen Chinesen wuchs, die scheinbar im gesamten Zug verteilt saßen. Wann immer jemand dazu kam, musste das Fotoshooting mit der blonden Deutschen, also mir, wiederholt werden  – so müssen sich wohl Promis fühlen. Auch die deutschsprachigen Belgier riefen mir schon belustigt Kommentare á la „Da hast du dir ja was eingebrockt!“ entgegen.

Irgendwann durfte ich dann endlich wieder Platz nehmen, da alle ein Foto hatten und ich bat den Schaffner, mir mein Bett für die Nacht umzubauen. Ich schlief wie ein Stein. Mein Bett war das untere und somit sehr breit und bequem. Außerdem verfügte jedes Bett über einen Vorhang für mehr Privatsphäre. Am Morgen öffnete ich die Gardinen und genoss den Blick vom Bett auf  die vorbeiziehende Landschaft, bevor ich mich dann zum Aufstehen aufraffte.

Ein Hoch auf die Technik

Meine Chinesischen Freunde waren auch schon wach und unterhielten sich bereits eifrig. Nachdem auch mein Bett wieder zu einem Sitz umgebaut war, gesellte sich ein Teil der Gruppe zu mir. Ein besonders aufgeschlossener Kandidat hielt mir dann sein iPad hin und malte mir eine leere Flagge auf, die ich ausmalen sollte, um ihm verstehen zu geben, aus welchem Land ich komme. Also malte ich schwarz-rot-gold und gab ihm sein Tablet zurück. Sofort sah er mich mit großen Augen an und deutete den Hitler-Gruß sowie einen Schnurrbart an. Schockiert schüttelte ich den Kopf…er lachte. Kurze Zeit später startete er einen Facebook-Livestream und kündigte mich scheinbar in Gebärdensprache an, denn er machte wieder den Hitler-Gruß und zeigte aufgeregt auf mich und hielt mir das Tablet vor die Nase. Etwas überrumpelt und noch ganz müde lachte und winkte ich in die Kamera.

Chiang Mai North Thailand Norden

Da wir irgendwann mit unserer Bildersprache auf dem Tablet nicht weiterkamen, zückte jemand sein Handy mit einer Sprachübersetzung. Wir ließen die App zwischen Englisch und Chinesisch übersetzen, wobei die Sätze teilweise keinen Sinn mehr ergaben. Ich kann mir gut vorstellen, dass beim Übersetzen der chinesischen Schriftzeichen sehr viel verloren geht. Sie stellten mir dennoch sehr viele Fragen, vor allem, ob ich keine Freunde habe und wieso ich allein reise. Es dauerte eine Weile, sie zu überzeugen, dass ich freiwillig allein unterwegs bin und erklärte ihnen die Vorteile des Alleinreisens. Letztendlich waren alle begeistert und lobten mich mit dem obligatorischen „Daumen hoch“ für meinen Mut. Abschließend zu unserem Kennenlernen verknüpften sich alle mit mir auf Facebook und kurze Zeit später fuhr der Zug in Chiang Mai ein und ich stieg amüsiert über diese skurrile Bekanntschaft aus.

Eine Woche später traf ich im Süden Thailands auf Koh Phangan zufällig die Belgier auf einer Strandparty wieder. Sie konnten sich sofort an mich und meine neuen taubstummen Freunde erinnern und erzählten mir, dass sie die Zugfahrt als Beobachter genauso schräg wie ich empfanden.

Hast du auch verrückte Bekanntschaften auf Reisen gemacht? Erzähle mir gern in den Kommentaren von deiner Geschichte! 🙂 

 

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